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23.2.2018 : 17:29

FEATURE: LTE und die Digitale Dividende - Ein Beitrag zu einer flächendeckenden Breitbandversorgung in Niedersachsen?

Abbildung 1

1. LTE (Long Term Evolution)

LTE ist ein neuer Mobilfunkstandard, welcher neben den schon existierenden Mobilfunknetzen etabliert wird. Für LTE wird der Nutzer neue Endgeräte benötigen. Bisherige Mobiltelefone und Datenkarten können nicht aufgerüstet werden.

Der Fokus bei der Entwicklung von LTE lag auf der schnellen, mobilen Datenübertragung.  Mobile Datendienste sind der Hauptwachstumstreiber der Telekommunikationsbranche und LTE trägt dieser Entwicklung Rechnung. Die Entwicklung der Maximalgeschwindigkeiten wird in Abbildung 1 deutlich. LTE übertrifft die Datenübertragungsgeschwindigkeit bisheriger Mobilfunktechnologien  bei weitem. UMTS als Trägerdienst mit der Erweiterung HSPA erreicht zwar heute im kommerziellen Einsatz bis zu 14,4Mbit/s und Ausbaustufen von bis zu 42Mbit/s sind geplant, jedoch werden diese aber nur unter Idealbedingungen zu erreichen sein.

LTE hingegen wird die verfügbare Spitzendatenrate pro Funkzelle auf bis zu 50 bis 100Mbit/s steigern. Die Geschwindigkeit ist dabei abhängig von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel der zur Verfügung stehenden Funkbandbreite, der Anzahl der in der Zelle aktiven Nutzern und der Entfernung vom Endgerät zum Sendemast. Aber auch trotz dieser Einschränkungen kann LTE deutlich höhere Datendurchsätze zuverlässig bereitstellen, als heutige HSDPA-Technologie. Für den einzelnen Endnutzer wird die verfügbare Geschwindigkeit voraussichtlich vergleichbar mit der von heute gängigen ADSL-Anschlüssen sein. Darüber hinaus sind die Antwortzeiten (Ping) deutlich schneller, als heute im Mobilfunk gewohnt: Auf bis zu 20ms fällt die Latenz, was vergleichbar ist mit Fastpath-geschalteten DSL-Anschlüssen. Dies ermöglicht Echtzeitanwendungen, wie zum Beispiel Videokonferenzen.

Auf Grund der Konzentration auf Datendienste wurde übrigens bisher keine Standardisierung für Sprache geschaffen: LTE ist ein rein IP-basiertes Netz und die Sprachunterstützung wird erst zu einem späteren Zeitpunkt implementiert. Somit werden zum Marktstart auch nur Datenkarten verfügbar sein. Erste Handys und Smartphones sind für 2013 angekündigt.

Die LTE-Mobilfunknetze werden in Deutschland auf unterschiedlichen Frequenzen zur Verfügung stehen. Besonders interessant für die ländlichen und bisher mit Breitband unterversorgten Regionen in Niedersachsen sind die Frequenzen auf 800MHz. Diese sind Bestandteil der Digitalen Dividende.

Abbildung 2

2. Die Digitale Dividende

Die Einführung von DVB-T, dem digitalen Antennenfernsehen, legte den Grundstein für die Vergabe des 800MHz-Bereichs für den Mobilfunk. Diese Frequenzen wurden ursprünglich für analoges Antennenfernsehen benötigt. Durch die Digitalisierung des Sendesignals reduzierte sich das benötigte Sendespektrum für das Fernsehen, so dass die Kanäle 61 bis 69 im UHF-Band mit neuen Diensten belegt werden konnten. Die Migration vom analogen Antennenfernsehen zu DVB-T hin dauerte bundesweit über fünf Jahre. Im November 2008 war die Umstellung endgültig beendet.

Mit der Versteigerung der Frequenzen an die Mobilfunkunternehmen im April und Mai 2010 dauerte es nicht einmal zwei Jahre von der Ausstrahlung des letzten analogen Fernsehsignals in Deutschland bis zur Vergabe der Funklizenzen. Deutschland ist damit das erste europäische Land, welches die Digitale Dividende zur Versorgung mit breitbandigem Mobilfunk regulatorisch und technisch ermöglicht.

Die Entscheidung das freigewordene Spektrum für den Mobilfunk bereitzustellen ist Teil der Breitbandstrategie der Bundesrepublik Deutschland. Um eine flächendeckende Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen auch in ländlichen Regionen zu gewährleisten, sollen schnelle Internetzugänge über Mobilfunk realisiert werden. Die Frequenzen der Digitalen Dividende eignen sich für eine flächig weiträumige Versorgung, auf Grund ihrer geringen Dämpfung gegenüber den bisher für Mobilfunk genutzten Frequenzspektren (siehe Abbildung 2).

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