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16.10.2018 : 4:13

DSL - Fortsetzung

Innenansicht eines Outdoor DSLAM

Parallel entstand aber auch eine erste infrastrukturelle Separierung. Die verfügbare DSL-Geschwindigkeit war zu diesem Zeitpunkt noch nicht das entscheidende Kriterium, sondern der generelle Ausbau eines Anschlussbereiches. Während in größeren Gebietseinheiten, mit vielen Telefonkunden, oftmals schnell DSL seitens der Deutschen Telekom oder eines alternativen Telefonanbieters bereitgestellt wurde, blieben kleinere Bereiche, auch in den Städten, zunächst bei der Versorgung außen vor. Diese Disparität verschwand mit dem Preisverfall und der zunehmenden Verbreitung der DSL-Technik. Mit DSL generell unversorgte Ortsnetze finden sich heute fast ausschließlich nur noch in OPAL-Anschlussbereichen, wo herkömmliches ADSL nicht technisch realisierbar ist.

Ein anderer wichtiger Aspekt zur DSL-Verfügbarkeit und somit dem Zugang zum schnellen Internet, kristallisierte sich für den Verbraucher mit der Differenzierung der verschiedenen Zugangsgeschwindigkeiten heraus. Schon bei dem erstverfügbaren DSL-Produkt konnten einige Interessenten trotz Buchung keinen DSL-Zugang erhalten. Diese waren einfach zu weit von der Vermittlungsstelle entfernt. Die Leitungsdämpfung war nach Maßgaben des Anbieters zu hoch, um noch zuverlässig DSL bereitzustellen und dauerhaft zu betreiben. Dies waren jedoch wenige Einzelfälle, da in den zuerst erschlossenen Bereichen die Dichte an Hauptverteilern so hoch ist, dass kaum lange Leitungsführungen auftreten. Dies änderte sich als bald DSL1500-Anschlüsse vermarktet wurden. Ein recht geringer Prozentsatz der Nutzer konnte nicht den schnelleren Anschluss buchen. Dies resultiert aus den verschiedenen Dämpfungsgrenzen für unterschiedliche Geschwindigkeiten. DSL1500 benötigt eine kürzere Kupferleitung als ein DSL768-Anschluß.

Diese Problematik intensivierte sich immer weiter mit dem Aufkommen von DSL2000, 3000 etc. bis hin zu ADSL2+ mit 16MBit/s. Die Schaltungsgrenzen verschärfen sich mit jeder höheren angebotenen Geschwindigkeit. Nur die Option auf einen alternativen Anbieter, mit dem Verzicht auf starre Zugangsprofile, konnte eventuell zu einem schnelleren DSL-Anschluss verhelfen. Diese Differenzen in der Schaltungspraxis haben sich im Laufe der Zeit, auf Grund der Vielzahl der geschalteten DSL-Anschlüsse und einer allgemeinen Marktangleichung, jedoch stark einander angenähert.

In ein anderes Problemfeld hinein schwenkten die ländlichen Anschlussbereiche. Diese wurden ebenfalls zunehmend mit DSL erschlossen und die Dämpfungsproblematik trat hier, auf Grund der längeren zu überbrückenden Distanzen, noch verstärkt auf. Durch eine zu große Entfernung zum DSLAM in der Vermittlungsstelle bedingt, konnten viele Kunden in diesen Vorwahlbereichen gar keinen DSL-Anschluss erhalten. Der große Anteil dieser nicht anschließbaren Haushalte führte dazu, dass eine stark in der Leistung eingeschränkte DSL-Variante eingeführt wurde: Der sogenannte DSL-light-Anschluss mit einer Downstream-Geschwindigkeit von 384Kbit/s und einem Upstream von 64Kbit/s. Die Sendegeschwindigkeit entspricht in der Leistungsfähigkeit also sogar nur einem herkömmlichen ISDN-Anschluss. Die DSL-Verfügbarkeit wurde so prozentual mit simplen Mitteln drastisch erhöht, ohne jedoch eine tatsächliche Verbesserung der Infrastruktur zu erreichen, wie zum Beispiel mit dem nachhaltigen Bau eines Outdoor-DSLAM. An der Situation dieser Anschlüsse kann bis heute, wie ebenfalls bei den komplett unversorgten Haushalten, die DSL-Versorgung nur mit dem "Heranrücken" an den Endkunden verbessert werden.

2006 wird mit dem VDSL-Ausbau in den Großstädten die Leistungsschere zwischen Stadt und Land bei den verfügbaren Anschlüssen weiter geöffnet. Mit nun in den Ballungsszentren angebotenen Geschwindigkeiten von bis zu 50Mbit/s bei VDSL hat sich, allein über die im Markt verfügbaren verschiedenen DSL-Varianten hinweg, eine Differenz von über 49Mbit/s in der höchstmöglichen Zugangsgeschwindigkeit ergeben. Andere Breitbandtechnologien sind hierbei noch nicht berücksichtigt. Die DSL-Anschlüsse haben heute fast ihre Leistungsgrenze erreicht. Verbesserung bei der Versorgung kann hier nur durch eine Verschiebung der Gegenstelle an den Kunden heran erfolgen.

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